Apartmenthaus Samariterstiftung, Aalen

Gebaute Inklusion
Einzigartig im Land: Das Apartementhaus für Menschen mit Behinderung in Aalen

„Inklusion“ wird in der Regel nicht mit dem Begriff „Architektur“ in Zusammenhang gebracht. Dabei haben neue soziale Konzepte in der Regel auch eine gebaute Auswirkung. So können Menschen erst selbstbestimmt und gleichberechtigt an der Gesellschaft teilhaben, wenn die baulichen Voraussetzungen dafür geschaffen werden. In Aalen hat die Samariterstiftung deshalb zusammen mit dem Ostalbkreis und weiteren Partnern ein für Baden-Württemberg einzigartiges Apartementhaus für 20 Menschen mit  komplexen Unterstützungsforderungen realisiert.

Wie konsequent das Konzept umgesetzt wurde, zeigt sich bereits am Standort des Gebäudes mitten in Aalen und an seinem äußeren Erscheinungsbild: Es integriert sich mit seiner Höhe, der Kubatur und der Farbigkeit unauffällig in die Straßenrandbebauung. Auch am Eingangsbereich weist bewusst kein Schild und kein Logo der Stiftung darauf hin, dass sich im Innern Apartements für Menschen mit Behinderung befinden.

Nur 1000 qm Grundstück standen für das Bauvorhaben zur Verfügung  Da wegen des hohen Grundwasserspiegels kein Keller gebaut werden konnte, war es eine große Herausforderung, das benötigte Raumprogramm, inklusive der Tagesförderstätte für Senioren im Erdgeschoß,  auf  4 Stockwerken unterzubringen.

Die Wohnangebote, die auf die individuellen und pflegerischen Bedürfnisse zugeschnitten sind, benötigen Platz. Verkehrsflächen und Türen sind breiter, Pflege und Ruheräume müssen eingeplant werden. Mit einer sorgsam durchdachten Grundrissplanung gelang es jedoch, trotz der kleinen Fläche  alle komplexen Anforderungen zu erfüllen.

Technische Vorgaben und DIN Vorschriften waren maßgebende Punkte der Realsisierung. So garantiert das Nullbarriere-Haus ohne Schwellen die von der Inklusion geforderte Selbständigkeit.

Mit einfachen, kostengünstigen aber effektiven  Maßnahmen konnte ausserdem eine hohe Wohnqualität erzielt werden. Um die Beeinträchtigungen der Lärmemission durch die Straße möglichst gering zu halten, wurden die Privat- und Schlafräume, soweit möglich, zum Garten und zur Aal hin orientiert.

Die springende Fensterstruktur der Fassade hat einen funktionalen Grund: Rollstuhlfahrer sollen einen barrierefreien Blick nach Draußen genießen können. Weitere kleine Details wie abgeschrägte Fensterlaibungen sorgen für eine bessere Belichtung und stimmungsvolles Streiflicht in den Räumen.

Damit sich die Bewohner im Haus besser orientieren können, wurde jedem Stockwerk ein eigener, warmer Farbton zugewiesen. Dieser findet sich auch auf den Fliesen im Bad wieder. Spätestens beim Duschen im farbigen Sonnenlicht werden die Bewohner spüren, dass sie Zuhause angekommen sind.





Null-Bariere-Gebäude
Fertigstellung 2017